Klaus Wolschner               Texte zur Geschichte und Theorie von Medien & Gesellschaft

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I
Medien-
Geschichte

Neue Erlebnis-Kultur,
neue Ordnung des Wissens

2012

Was die Reformation im 16. Jahrhundert mit ihren Flugzetteln begonnen hatte, vollenden die Zeitungen und Zeitschriften im 17. und 18. Jahrhundert: Durch die Druckmedien konnten gebildete Bürger gegen die tradierten politischen Autoritäten eine neue Weltsicht herausbilden und verbreiten und das kulturelle Selbstverständnis der Gesellschaft prägen.

Die Tragweite dieser mentalen Revolution hat Albrecht Koschorke so beschrieben: In der „vorrationalistischen Welt“ wies „der gegliederte Kosmos den verschiedenen Plätzen im Raum - oben und unten, groß oder klein, im Zentrum oder an der Peripherie - unterschiedliche Qualitäten und Ränge zu“, ein Netz von Analogien und Bedeutungen verknüpfte die Elemente dieser Welt.
Ein langwieriger Prozeß führte zum Verblassen religiöser und magischer Implemente und zur Herauslösung des Subjekts aus seiner Partizipation am kosmischen Geschehen: Die Zentralperspektive setzte sich als Erkenntnisrahmen durch, als Verwissenschaftlichung des menschlichen Sensoriums. Das neue Bezugssystem der Wahrnehmung war ein „rein quantitatives, perspektivisch von potentiell jedem Ort aus aufrichtbares Raumkontinuum“, in dem der Betrachter „die für ihn vorgesehene feste Mittelstellung im Universum“ verlassen und in ein „Wechselspiel veränderlicher Standpunkte und Ansichten“ eintreten kann. Die Metapher ‚seinen Horizont erweitern' bedeutete das Hinaustreten aus dem Gefüge der geographischen Kleinstaaterei, gleichzeitig und auch allgemeiner die Überwindung eines geistiges „Systems hierarchischer Plätze, das die Ständegesellschaft ihren Mitgliedern auferlegte“.  Wer sich die mentalen Fähigkeiten aneignete, um aus den „individuellen Spielräumen innerhalb jener gottgegebenen ordo überhaupt“ auszubrechen, brachte sich damit „um seinen Platz in dieser Welt“ (Albrecht Koschorke).

Für die Menschen bis in die frühe Neuzeit waren  die Wechselfälle des Lebens unberechenbar, undurchschaubar und unbeeinflussbar. Das Weltbild der bäuerlichen Bevölkerung rankte sich um die Bewältigung von Geburt und Missgeburt, Krankheit, Unwetter, Krieg und Tod. Die Aussicht auf das Seelenheil spendete den Trost, der das Ausgeliefertsein an die Mächte der Natur erträglich machen sollte. Ferne politische und wirtschaftliche Ereignisse waren den Menschen unbekannt, wenn sie sie nicht direkt betrafen. Vor allem Kuriositäten und heilsgeschichtlich bedeutsame Erzählungen wurden kolportiert.

Texte waren in der oral geprägten Gesellschaft abgeschriebene Geschichten, aufgeschriebene Reden als Erinnerungshilfen für die Alltagskommunikation. Leser kommunizierten nicht mit den toten Buchstaben, sondern lesen die Texte als Mitschriften „kommunikativ-situativer Akte“ (Uta Egenhoff). Die Redeschrift war eine der Nähe, keine distanzierte „Schriftsprache“, sie diente der Wiederholungsrede, Altbekanntes und Altbewährtes will kommunikativ bestätigt werden. Medienwissenschaftler wie Rolf Engelsing sprechen von „extensiver Lektüre“ – immer wieder wurden dieselben Texte gelesen oder nur gemurmelt. Liturgie ist die kultivierte Reinform dieses Kommunikationstypus. Redetexte wurden oft psalmodierend vorgetragen – „gesungen“.

In dieser Welt führte die kulturelle und mentale Bewältigung der Sinn-Fragen unmittelbar zur Annahme von magischen Kräften, deren Wirklichkeits-Macht vor allem dadurch bewiesen ist, dass sie schon immer gewirkt haben und dass insofern schon immer an sie geglaubt wurde.  Die Denkfiguren der Magie dienten der geistigen Bemächtigung der Natur-Gewalten.  Diese vom Hörensagen bestimmte Welt, in der die tradierte Wahrheit der religiösen und machtpolitischen Autoritäten unbezweifelbar schien, ist über mehrere Jahrhunderte schrittweise durch die drucktechnische Verbreitung neuer Wahrheiten verändert worden.

„Relationes Curiosae“ - was ist wissenswert und warum?

An dieser Wende zu einer neuen Wissens-Ordnung steht in Hamburg eine Zeitschrift, in der Eberhard Werner Happel von 1681 bis 1691 wöchentlich „Größte Denkwürdigkeiten der Welt“ verbreitete, wie der deutsche Titel sagt, „Relationes Curiosae“. Die Zeitschrift erschien  separat und gleichzeitig als Beilage zu der erfolgreichen Hamburger Zeitung „Relations-Courier". Happel wollte nichts weiter als Nachrichten verbreiten, neue und durchaus auch die alten Geschichten. Und er wollte seine Nachrichten am „Probierstein der Vernunft“ messen. Happels Wochenzeitschrift lieferte Informationen über eine Welt außerhalb des eigenen Erfahrungshorizontes. Gemeinsam ist den Texten vor allem, dass sie den Nahbereich personaler Kommunikation überschreiten. Es sind keine vordergründigen Selektionskriterien erkennbar im Nutzen für den Alltag, keine erbaulichen Ratschläge. Der „Bedarf" an solchen Texten lag in dem Vergnügen, das die neue Kultur des Wissens bieten kann. Die Zeitschrift bot verschriftlichtes Wissen ohne Alltagsbezug.

Die neuen Texte zeigen, dass die gedruckten Medien eine neue Dimension der Erlebnis-Kultur für die Gesellschaft geschaffen haben. Die gedruckten Informationen selbst, Zeitschriften wie Zeitungen, haben das Bedürfnis nach zusätzlichen Informationen erzeugt und verstärkt. Schon über Flugblätter der Reformation haben Menschen im 16. Jahrhundert  erfahren, dass Wissen unabhängig von hierarchisch definierten Personen existiert und verbreitet werden kann. Neue Deutungsmuster werden über die Schrift verbreitet, entscheidend ist aber die die sensationelle Erfahrung, dass Grenzen von Interaktionsgemeinschaften überwunden werden können. Die Zeitungen haben das obrigkeitliche Geheimwissen entzaubert, das Bürgertum sucht den geistigen Zugang zur Welt, nicht nur der der Großen und Mächtigen. „Das war brandneu und fesselnd.“ (Holger Böning).

Happels „Relationes Cusiosae” behandeln Neuigkeiten ganz unterschiedlicher Art gleich. Es geht im wörtlichen Sinne um „kuriose“ Nachrichten. Da kommen die alten Wundergeschichten zu neuer Verbreitung, die Prodigien, Gespenstergeschichten, es fehlen  meist aber theologische Sinngebung oder erbauliche Ratschläge. Altes und neues Wissen, alte strukturell Mündliches überliefernde Texte und neue informative Textformen stehen nebeneinander. Die alten Verständnisgewohnheiten sind in seinem Publikum offenbar noch vorhanden, aber schon durchmischt mit einer guten Portion Neugier auf Fremdes. Happels Wochenschrift ist ein frühes Beispiel dafür, wie alte Wissensbestände von neuen Denkmustern herausgefordert werden, wie neben die magischen Welterklärungen ganz andere, frühe „wissenschaftliche“ Erklärungsmodelle treten.

Die menschliche Imagination wollte immer schon das Nur-Erlebte interpretieren, mit „Sinn“ ausstatten und damit transzendieren, davon zeugen die Mythen der Religion, das Theater, der Zauber des Zaubers und der Wundergeschichten. Die neue textgestützte Erlebnis-Kultur wird zum Selbstläufer. „Die Botschaft des neuen Mediums ist die Information.“ (Egenhoff) Schon Zeitgenossen ist das aufgefallen, sie diagnostizieren „Lesesucht”. Es handelte sich um die Sucht, sich eine neue Welt zu erschließen, in Texten fixierte Imagination kulturell zu „erleben“. Neue Weltbilder, neue Deutungs-Kontexte

Im 17. Jahrhundert waren die Grenzen zwischen „Magie“ und „richtiger“ Physik noch fließend. Happel erweitert den überkommenen magischen Wissensstand, fügt frühe naturwissenschaftliche Ursachenergründungen hinzu. Etwa über das Vakuum:

„So ist denn kein vacuum oder leerer Raum in der Natur? Nein. Die Bauren sagen zwar / das Faß ist leer / wenn sie es außgesoffen; aber weise Leute urtheilen viel anders. Denn ob zwar das Bier aus dem Fasse / so ist doch noch Lufft darinn / wie auch andere Dünste / die dasselbe erfüllen. … denn es sind viele Dinge in der Welt / die wir nicht sehen / und nicht sehen können; wer wollte sie aber darumb alsobald in Zweiffel ziehen oder gar verleugnen. Wer hat GOtt / wer hat die Engel / wer hat des Menschen Seele / wer hat der Pferde Seelen / wer hat den Himmel / wer hat das Wasser über demselben gesehen?“

Über die Deutung des Unwetters als Zeichen des Zornes Gottes gibt er dagegen alte Geschichte wieder, etwa die:

„In dem Wunder=Buche Casparis Goldwurms wird gedacht / daß im Jahr 1551 etliche Zechbrüder in der Graffschafft Nassau beysammen gesessen und gespielet: Wie nun plötzlich ein hartes Gewitter entstanden / und ein starcker Schlag gehöret worden / habe einer unter diesen Zech=Brüdern gesprochen: O ho ! du hast den noch gefehlet Aber nachdem er diese Worte kaum außgesaget / habe das Wetter einen Eck von dem Tisch / an dem sie sassen / herab geschlagen / worüber sie sehr erschrocken / und gemercket / wie leicht sie Gott hätte treffen / und ihnen das ruchlose Spiel verderben können / wann im nicht mehr mit ihrer Bekehrung / als mit ihrem Tode / gedienet gewesen wäre.“

Was ist Donner? Happel erklärt es so:

„Wann nun die Außdämpffung und häuffige Feuer=Dünste aus ihren Behältern herauß und in die Höhe getrieben werden / und unter den Wolcken auff einander treffen / auch von denselben gedrückt werden / fangen sie / krafft ihrer vielfältigen Bewegung / Feuer / entzünden sich in eine Flamme / widerstreben sothaner Drükkung der Wolcken / und wofern solche nicht genug wiederstreben können / zerreissen sie dieselbe / und stossen ihre zerrissene Theile gegen über von sich / wobey sich alsdann eine blitzende Flamme sehen lasset.“

Happel schöpft aus Reisebüchern, denn exotische Erdteile wecken die Neugier, er packt alte Geschichten von Witwenverbrennungen in Indien aus, Nachrichten über die Chinesen, aber genauso referiert Happel Otto Guerickes komplizierte Luftdruckexperimente oder zeigt in Kupferstichen den Stachel einer Biene so, wie er unter dem Mikroskop zu erkennen ist. Happel nimmt das Mikroskop als Metapher, um zu erläutern, wie wenig die Alten wussten: „Sie mussten glauben, was sie nicht sahen, wir aber können versichert sein, dessen was wir mit unseren Augen sehen.“  Populär und „neu“ waren auch Erklärungen medizinischer Themen oder etwa Formen des statistischen Zugangs zur Realität. Die „statistischen“ Erkenntnisse waren kaum relevant, um mehr so zeigen sie die Lust am Spiel mit der neuen Erkenntnisform.

Die neuen Druck-Medien waren ein wichtiger Faktor für den Wandel im  Geschichtsbewusstsein. Happel verfasste 1692 eine „Historia Moderna Europae“, die eine Chronik und Analyse der Zusammenhänge präsentieren wollte. Die Wissensnotwendigkeit historischer Vorgänge ist für ihn nicht mehr legitimatorisch für Herrscherpersönlichkeiten oder heilsgeschichtlich begründet, sondern findet seine Begründung im Wissensdurst selbst.

„Jammer ists / daß manchmahl die besten Actiones und löbliche Thaten grosser und mächtiger Herrn und Potentaten bloß deswegen der Nach=Welt verborgen bleiben / weil man sie nicht gebührlich auffgezeichnet / oder auch / weil dieselbe an solchen Orthen und Enden sich begeben und zugetragen haben / da man nicht recht hinter die Warheit und gebührliche Umbstände hat kommen mögen."

Besonders die intensive Befassung mit den Wirren des 30-jährigen Krieges hatte den alten Umgang mit gesellschaftlichen Ereignissen und Entwicklungen diskreditiert. In vielen Ereignis-Details wurde der Krieg dargestellt - als ein in menschlicher Verantwortung stehendes Ereignis –  eine direkte Anbindung an Fragen der Heilsgeschichte taugte nicht zur Interpretation der immer neuen Nachrichten.

Zeitungen, so formulierte Kaspar Stieler  1695 (in: „Zeitungs Lust und Nutz”), seien „Wegweiserinnen" zu „allerley Künsten und Wissenschaften", denn „es führen die Avisen junge Leute gleichsam bey der hand in das Reichs und Völker-Recht: Sie eröffnen hoher Potentaten Rahtstuben: weisen spielend und mit Lust allerhand Statsstriche an: machen die Welt mit ihrer Sitten-Höflichkeit / ihrem Stellen und Vorstellen bekant / und lehren oft / um einen Groschen / in einer viertel Stunde jungen Leuten mehr / als sie von dem besten Doctor in einem Monat und länger lernen können". (zit. nach Böning)

Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts erschienen immer mehr gelehrte Zeitungen, die über die neuesten Entwicklungen in den Wissenschaften berichten. Er habe „keine Lust mit der kahlen Gelehrsamkeit sich bloß und alleine aufzuhalten", so äußerte sich 1699 mit Peter Ambrosius Lehmann einer der Pioniere des deutschsprachigen gelehrten Zeitungswesens. Die populären Zeitschriften tragen das neue Weltbild in alle Lande - die neuen Erkenntnisse der Naturerforschung verdrängen eine auf Magisches und Irrationales aufbauende Weltsicht.

Seit 1682 erschienen in Leipzig die Acta Eruditorum (Berichte der Gelehrten) als lateinische universalhistorische und allgemeinwissenschaftliche Zeitschrift. Seit dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts finden auch moralischen Wochenzeitschriften Verbreitung, die die Auseinandersetzung um moralische Wertmaßstäbe, Tugenden und Laster führen. Tagespolitische Ereignisse werden zum Ausgangspunkt allgemeiner philosophisch-moralischer Betrachtungen.  In den seit 1676 wöchentlich in Hamburg erscheinenden „Erbaulichen Ruh-stunden" stehen belehrende moralische und unterhaltende Elemente im Mittelpunkt. „Zugleich Lehr- und Lustreich seyn" will die Zeitschrift.

In dieser neuen moralischen Weltsicht wird die Rolle des Erklärungsmusters „Gott” zurückgedrängt, das Neue ist die Diesseitsorientierung der Weltsicht. Während die Kirche die Erbsünde predigte und damit ein Weltbild, in dem der Mensch keine Chance hat, sahen die Aufklärer die Kraft zum Gutsein im Menschen angelegt. Die Welt ist nicht mehr Jammertal und reines Durchgangsstation zum ewigen Leben. Wie es schon einzelne antike Schriftsteller propagiert hatten, lohnt es sich, nach irdischer Glückseligkeit zu streben und im Leben nach den Grundsätzen einer vernünftigen Moral zu suchen. Die neuen Gedanken wurden dabei immer wieder in überlieferte Weltbilder integriert, so dass sie beim Publikum auf Zustimmung stoßen konnten.

Für die gebildeten Stände wurde da formuliert, was mit einer Zeitverzögerung von einigen Jahrzehnten dann auch an das „Volk" vermittelt werden sollte: Ordnung, Fleiß, Sparsamkeit, aber auch Umsicht und Freundlichkeit sind die neuen Werte.

1728 wurde in der Zeitung „Matrone“ gleichsam im Vorgriff auf Kant formuliert, dass der eigene Verstand die „Schätzbareste Gabe des Schöpfers" sei (zit. nach Böning). So wurde das geistliche Deutungsmonopol in sittlich-moralischen Fragen untergraben und erschüttert. Der „Patriot" propagierte nach dem Vorbild des englischen „Tatler“ in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Idealbild eines Bürgers, der über Verbesserungen und Reformmöglichkeiten nachdenkt und sich so für das Gemeinwesen verantwortlich fühlt. 

Seit 1722 erscheinen gedruckte Zeitungen vom Typus „Intelligenzblätter“, deren Gründungs-Idee die Verbreitung von Kleinanzeigen ist. Bis dahin wurde der Austausch über „Adress-Büros“ organisiert, in denen Angebote und Gesuche handschriftlich in einem Buch notiert wurden. Dieser Zeitungs-Typus macht deutlich, wie alltäglich das Gedruckte als Gebrauchs-Information inzwischen geworden war. Sie sind vor allem ein Spiegel und Hilfsmittel des gesamten bürgerlichen Lebens.

Geschäftliche Interessen beförderten die Bemühungen der Aufklärung des Volkes. Ab 1745 etwa erschien in Hamburg der „Wandsbecker Mercur". Er unterhielt mit respektlos interpretierten Nachrichten. „Ein erfolgreiches Unternehmen", rechtfertigte der Verleger sich, sei nur durch eine Zeitung möglich, die nicht nach „dem Geschmack der Gelehrten und Erfahrenen" geschrieben sei, sondern dem Fassungsvermögen „der Einfältigen und geringen Leuthe" genüge, „welche [...] den größten Hauffen in der Welt" ausmachten.  (Böning). Titel wie „Das räsonnirende Dorfkonvent" oder „Der Volksfreund" zeigen, dass sich die Zeitungen inzwischen direkt an ein größeres Publikum richten - eben an die einfachen Leute.

Die „message“ (McLuhan) der neuen Medien bestand darin, dass sie eine allgemeine Teilhabe am Zeitgeschehen und eine neues Selbstverständnis der Menschen ermöglichten. Drei Jahrhunderte nach Gutenberg entfaltete die neue Drucktechnik so ihre volle Wirkung. Neue Elemente neuen Wissens, die über die Drucktechnik verbreitet werden, spannen eine neue Erlebnis-Kultur auf. Nur wer Lesekunst und Bildung erwirbt, kann daran teilhaben, die neue Wissens-Ordnung untergräbt die Macht der Tradition und die traditionellen Machtstrukturen. Mehr als 4.000 Zeitschriften gab es im 18. Jahrhundert. Über die unerhörten Ereignisse der Französischen Revolution berichteten am Ende des 18. Jahrhunderts europaweit schon weit mehr als 200 Blätter in Auflagen von manchmal mehreren zehntausend Exemplaren.

Im 19. Jahrhundert wurde das, was bis dahin vor allem in den gelehrten Kreisen als Konsens vorbereitet war, direkt in der entstehenden Öffentlichkeit des gesamten Volkes verbreitet. (siehe den Überblick über den Medialisierungsprozess des Politischen - insbesondere  Volksaufklärung und Massenpresse). 

Die neue lesegestützte Erlebnis-Kultur setzt sich in den Romanen des 18. und 19. Jahrhunderts fort und findet in den Illustrierten und den Filmen des 20. Jahrhunderts zu einem bildgestützten Imaginations-Medium zurück.

 

 

siehe auch meine Texte zu:

    Über das ordnende Denken der neuzeitlichen Physik und
            seine mystische Nutzung in der Welt der Science Fiction-Phantasien 
    M-G-Link 
    Das Erdbeben von Lissabon 1755 als Medienereignis   M-G-Link
    Mode als europäisches Medienereignis   M-G-Link
    Elektropoesie - Erfindung des Konzeptes der Elektrizität  M-G-Link
    „Volkskalender” der Neuzeit als frühes Beispiel für „Infotainment”    M-G-Link

Literaturhinweise:

    Holger Böning, Weltaneignung durch ein neues Publikum - Zeitungen und Zeitschriften als Medientypen der Moderne. In: Historische Zeitschrift Beiheft 41 S. 105-134
    Uta Egenhoff, Berufsschriftstellertum und Journalist In der Frühen Neuzeit, Eberhard Werner Happels Relationes Curiosae  im Medienverbund des 17. Jahrhunderts (Bremen 2008)