Klaus Wolschner                     Texte zur Geschichte und Theorie von Medien & Gesellschaft

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Texte zur  Kommunikation
von Religion

 

Wie wir wahrnehmen-
was wir sehen

3 AS neu 200

ISBN 978-3-7418-5475-0
im Buchhandel oder
beim Autor
klaus (at) wolschner.de

Über die Mediengeschichte der Schriftkultur und ihre Bedeutung für die 
Wirklichkeits-Konstruktion 

3 VR neu 200

ISBN 978-3-7375-8922-2
im Buchhandel oder beim Autor
klaus (at) wolschner.de

Religion und die Kraft des Glaubens,
die nicht nur Berge versetzt

Über die Kulturgeschichte des religiösen Empfindens und Denkens

2017

Religiöse Überzeugungen, religiöse Glaubens-Systeme und institutionalisierte Religions-Gemeinschaften bilden ein faszinierendes und geschichtsmächtiges Beispiel für die Macht der menschlichen Kommunikation. Als der homo sapiens zu denken begann, konstruierte er Mythen über das Schicksal nach dem Tod, über den Ursprung der Dinge und über Bändigung der feindlichen Kräfte der Natur. Es ging um Bewältigung von Angst – zumindest mental.

Offensichtlich tickt das Gehirn mythisch. „Animismus“ nennen Ethnologen dieses Phänomen, das typisch zu sein scheint für Jäger- und Sammler-Kulturen. Die sichtbaren, materiellen Gegenstände werden vergeistigt wahrgenommen, animistische Praktiken sind direkt auf die Fragen der Existenz-Sicherung bezogen, es geht um die Fruchtbarkeit, Krankheiten, das Wetter, das Jagd- und Kampf-Glück. Die animistischen Kulte antworten auf Fragen, die die Primaten-Vorfahren nicht stellten und von denen sie daher auch nicht gequält wurden.

Die Fruchtbarkeit ist eine dieser Fragen, Göttinnen standen im Zentrum der animistischen Kulte. Die matriarchalische Tradition wirkte über den Mithras-Kult als Marien-Verehrung bis ins Christentum fort.  

Offensichtlich hatte der denkende homo sapiens das Bedürfnis, seine mythischen Gedanken zu materialisieren – in Bildnissen, erst kleinen, dann immer mächtigeren Götterstatuen. Die Größe der Götterstatuen demonstrierte die Macht ihrer Erbauer. Es ist seine symbolische Intelligenz, die den Menschen zum Kulturwesen macht (Ernst Cassirer).

Göbekli-Tepe NG

 

 

 

 

 

 

Rekonstruktion der Tempelanlage von
Göbekli Tepe,
erbaut 12.000 Jahre
v.u.Z.

 


 

 

 

Vor 12.000 Jahren haben Wildbeuter-Kulturen riesige Tempelanlage von Göbekli Tepe aufgebaut, in Stein gehauene Mythen. Die Macht der religiös fundierten Gemeinschafts-Moral und des entsprechenden Herrschaftssystems zeigt sich sinnbildlich in dem tonnenschweren Stein. Vor dem Beginn der Landwirtschaft haben hier menschliche Gemeinschaften riesige symbolische Menschenbilder in Stein gehauen. Für den Archäologen Klaus Schmidt  deuten die überdimensionalen Menschen-Bildnisse in Göbekli Tepe darauf hin, dass sich her der Mensch Religion ist die Erzählung darüber, dass sich hier der Mensch als  Krone der Schöpfung feierte, auch der Tod schien rituell bewältigt.
Die Linie solcher architektonischen Weltwunder als medialer Botschafter der Macht setzt sich über die ägyptischen Pyramiden fort bis zu den großen Kathedralen des Mittelalters. Hunderte, später Tausende von Arbeitskräften mussten für solche Bauwerke gemeinsam schuften und von dem Wenigen, das sie hatten, noch reichlich abgeben – zum Ruhme des Herrschers und der Götter und zur Versinnbildlichung der kollektiven Sozialordnung. Und da, wo religiöse Lehren auf solche Symbolisierungen und Bilder eigentlich verzichten wollten und sich um eine Schrift herum organisierten, erzählen sie ersatzweise, dass die „Heilige Schrift“ von Gottvater selbst herabgereicht oder diktiert wurde.
 

Die Fähigkeit, mit seiner fiktiven Sprache mythische Gedanken zu denken und sich darüber auszutauschen, also sich gemeinsam Mythen vorzustellen, hat es dem homo sapiens ermöglicht, sich in größeren Gruppen zu organisieren. Die großen Machthaber großer Reiche stützten sich auf große mythische Erzählungen. Die großen Glaubens-Systeme des Christentums und des Islam konnten zu Weltreligionen werden, indem sie der staatlichen Machtentfaltung dienten und entsprechend umformten.

In den Anfängen der antiken griechischen Philosophie, auf die die europäische Aufklärung aufbaute, suchte der menschliche Geist die weltlichen Phänomene nach einfachen abstrakten Prinzipien zu ordnen. An die Stelle des archaischen Denkens, das leibnahe Kräfte und menschenähnliche Wesen als wirkende Ursachen unterstellt, tritt die Liebe zu abstrakten Erkenntnis-Urformen und geometrischen Konstruktionen - als Struktur für „Wahrheit" gelten kreisrunde Formen, dichotomische Begriffspaare oder Zahlen-Muster. Die antike griechische Philosophie war ein Versuch, eine neue geistige Ordnung in die Dinge zu bringen, sie war nicht weniger ein Konstrukt der menschlichen Phantasie als die prähistorischen Mythen. In ihre Mythen haben die alten Griechen deutlich mehr Energie investiert als in pragmatische handwerkliche Fähigkeiten.

Griechisch gebildete Anhänger des nazarenischen Wanderpredigers Jesus haben in den Jahrhunderten nach seinem Tod viele Elemente des griechischen Denkens integriert in ihren Kult und zu einem neuen Religions-System geformt. Das Christentum an den Hebeln der Staatsmacht hat sich dann an der Vernichtung der antiken griechischen Kultur aktiv und passiv beteiligt: Im alten Rom waren die religiösen Kulte Privatsache gewesen. Nur die Teilnahme am staatlichen Opferkult war eine Bürgerpflicht, die man als römischer Bürger erfüllen musste - wie man heute aufstehen muss beim Erklingen der Nationalhymne oder bei der Erscheinung des Staatsoberhauptes. Das Christentum als Staatskult war dagegen eine totalitäre Ideologie: Andere Kulte wurden verboten und verfolgt, ihre Heiligtümer niedergerissen, ihre Bücher verbrannt. 300 Jahre nach der Etablierung des Christentums zur Staatsreligion war die antike Bildungstradition im Herrschaftsbereich des christlichen Rom zerstört. Das Christentum ist sozusagen im „dunklen“ Mittelalter bei sich angekommen.

Dieser Prozess ist ein Beispiel dafür, wie ein neuer Herrschafts-Mythos auch philosophisch überlegene Denksysteme neben sich nicht duldet.

Das Einmalige an der menschlichen Sprache ist, dass wir uns über Dinge austauschen können, die es gar nicht gibt. Offenbar gibt es ein tief verankertes Bedürfnis, zu träumen und traumhafte Bilder am Tage weiterzuspinnen und in Worte (und Bilder) zu fassen, um sich darüber austauschen zu können.

Aus der Analyse der kommunikativen Strukturen der Religionsgeschichte lassen sich so Einblicke gewinnen in die Ursprünge des menschlichen Denkens und der menschlichen Kultur. Dem dienen die Texte, auf die hier besonders verwiesen wird.

zum Beispiel:

    Was ist Religion? Religiöse Kommunikation stiftet Sinn -  für soziale Verbände und Individuen  M-G-Link
    Die mentalen Konstruktionen von  Himmel und Hölle M-G-Link
    Monotheismus und das Gottesbildnis-Verbot in der Geschichte - Gottes-Bilder M-G-Link
    Religiöse Vorstellungen als Bewusstsein ohne Ego - Gott im Kopf    M-G-Link
    Wie Europa christlich wurde: Das Christentum als Produkt kommunikativer Formierung 
           im Kontext der Krise der Antike
    M-G-Link
    Die Zeitalter des Islam   M-G-Link

siehe u.a. auch die Texte über

    Bilder im Kopf - Über die neurologisch vermittelte Realitätswahrnehmung  M-G-Link
    Sprache Denken Mythen: Über das Denken in Anschauungsformen,
                          in Sprachsymbolen und in Mythen M-G-Link
    Gehirngespinste oder: Wie das Gehirn Wirklichkeit konstruiert  M-G-Link
    Kultur der Erzählung: Wofür der Mensch das symbolische Zeichenhandeln braucht M-G-Link
    Bigger than Life - Mammutjäger vor der Glotze
    M-G-Link

     

Zu Göbekli Tepe und dem Ursprung der Religion gibt es eine sehenswerte 3SAT-Dokumentation
     https://www.youtube.com/watch?v=Idu-t3X-cTQ