Klaus Wolschner

Texte zur Geschichte und Theorie von Medien & Gesellschaft

www.medien-gesellschaft.de


II
Politik
und Medien

Wie wir wahrnehmen,
was wir sehen

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ISBN 978-3-7418-5475-0
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Über die
Mediengeschichte der
Schriftkultur und ihre
Bedeutung für die
menschliche
Wirklichkeits-Konstruktion
im  Jahrhundert des Auges

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ISBN 978-3-7375-8922-2
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Über religiöse Körpergefühle und die kommunikative Kraft
der großen Götter von Christentum, Islam und Moderne

2 GG Titel

ISBN 978-3-746756-36-3
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Zur Typologie des Verhältnisses von Medien und Politik:

Das 21. Jahrhundert
Digitale Gesellschaft der Netz-Kommunikation

2020

Nur ein halbes Jahrhundert nach dem Fernsehen revolutioniert die digitale Kommunikation erneut die politische Öffentlichkeit. Neue Akteure treten über Netzkarrieren auf den Plan, die klassischen politischen Institutionen klagen über Mitgliederschwund und Desinteresse – aus der Perspektive der alten Mediokratie erscheint das Neue vor allem als Verfall politischer Öffentlichkeit. Das Internet macht die Menschen frei von der Vor-Selektion der Nachrichten durch professionelle Journalisten - Lügenpresse” ist das Schlagwort, in dem sich der Wille zur unabhängigen Eigen-Information kämpferisch ausdrückt. Natürlich müssen die allein gelassenen Nutzer die Vorselektion der Informationen den Algorithmen überlassen, die besser wissen, was sie interessiert. Neue Filterblasen entstehen. Damit knüpft die medialisierte moderne politische Öffentlichkeit der Blogs an die Mentalität der Gerüchte-Öffentlichkeit an, in der im vorrevolutionären Frankreich im 18. Jahrhundert die Autorität von Adel und Krone untergraben wurde.

Die Charakteristika der neuen Protestkultur

Von Tunesien bis in die Ukraine ist der Beginn des 21. Jahrhundert irritiert durch neue Protestkulturen, bei der die elektronischen Kommunikationsmittel des „social web“ eine wichtige Rolle spielen. Die Unterscheidung von „lokal“ und „global“ scheint es nicht mehr zu geben, Ansteckungseffekte wirken wie Funken, die über große Entfernungen und kulturelle Grenzen springen. Unter dem Label „Occupy“ besetzten Menschen im Jahre 2011 an der Wall Street und nachfolgend weltweit an 1.000 Orten auf allen fünf Kontinenten Straßen und Plätze. Mitten in ihrem europäischen Migranten-Milieu lassen sich Jugendliche von der Ideologie der IS-Kämpfer im Irak anstecken und gehen „zurück” in die Welt, aus der ihre Eltern geflohen waren -  und tauschen sich mit ihren alten Bekannten in Europa über facebook so selbstverständlich aus als wären sie nur kurz im globalen Nachbardorf. Beobachter der kulturellen Brüche in den islamischen Ländern gehen gleichzeitig davon aus, dass es entscheidend sein wird, wie die Frauen, die traditionell keine Stimme haben, mit Hilfe der neuen elektronischen Kommunikationsmedien ein neues Selbstbewusstsein über ihre Rolle in der Gesellschaft finden.

Typisch für die neue Protestkultur ist, dass es keine stabilen heroischen Anführer gibt. Für die Kommunikations-Prozesse wird das Bild vom „Schwarm“ benutzt. Die Netzkultur ermöglicht eine Kommunikation, in der jeder Empfänger blitzschnell zum Sender werden kann – und sei es nur durch einen „gefällt mir“-Klick oder ein „ReTweet“. Im Vergleich zu den weltweiten Protesten der späten 1960er Jahre fällt auf, dass Gesellschafts-Utopien keine verbindende Rolle spielen. Eine große Ausnahme in dieser Hinsicht ist die archaische Re-Islamisierungsbewegung als Form der Abwehr der medialen Globalisierung, die ungeniert die Produkte der modernen Technik nutzt, um eine archaische Religionskultur zu propagieren. Die modernen Protest-Gemeinschaften sind eher fragile „Veto”-Bündnisse sehr unterschiedlicher sozialer Interessenlagen ohne ideologische Verankerung.

Die neuen Medien prägen den Alltag, sind Plauder- und Konsum-Medien, das Netz wird für Email-Kontakte, Onlinebanking, E-Shopping und Unterhaltung jeder Art genutzt. Ein Blick in die Geschichte der Medien zeigt aber, dass bei etablierten Medien immer schon das Unterhaltungsinteresse überwog und dass bei neuen Medien gewöhnlich die seichte Unterhaltung schnell die angeblich „seriösen“ Themen verdrängt hat. Das war auch so in der Geschichte des Fernsehens, nicht erst die privaten Sender haben eine Orientierung an den Bedürfnissen des Publikums erzwungen. Menschen interessieren sich nun einmal mehr für Klatsch und Tratsch als für die Institutionen des politischen Systems. Wenn sie ehrlich sind, dann müssen Politiker übrigens zugeben: Auch sie interessieren sich mehr für den Klatsch der politischen Klasse, für ihre Karrieren und ihre Affären, als für die Inhalte. Normale Fernsehzuschauer interessieren sich für politische Themen vor allem dann, wenn sie damit eigene Lebenslagen assoziativ verbinden können und in begrenztem Umfang auch, um ihre politische Werte-Orientierung zu bestätigen. 15 Minuten Tagesschau reichen dafür, dann geht die Phantasie ab ins Dschungelcamp.

Die unterhaltsame Unverbindlichkeit der Netz-Kultur prägt auch die politische Netz-Kommunikation: Sie ermöglicht niedrigschwellige Aktivität, sie erlaubt es, Botschaften explosionsartig zu verbreiten, aber deren Wirkung im Einzelfall verpufft oft genauso schnell wie sie Aufmerksamkeit an sich band. Das wird immer dann deutlich, wenn flüchtigen digitalen „Online-Crowds“ sich zu „Real-Crowds“  wandeln wollen und zu „analogen” Protest-Terminen laden. Offenkundig aber gibt es in der digitalen Protestkultur ein Bedürfnis nach klassisch-„analoger” Sichtbarkeit - Plätze werden zu Orten verdichteter Symbolkraft.

Typisch für die neue Protestkultur ist die Möglichkeit spontaner Teilhabe, die Mobilisierungen sind fluide und oft von geringer Dauerhaftigkeit. Beteiligungsmöglichkeiten werden punktuell angeboten und eingefordert. Digitale Identitäten spielen mit den Möglichkeiten der Anonymität und Pseudonymität. Die neue Protestkultur macht Ernst mit dem Motto der 1968er: Politik muss Spaß machen. Die Möglichkeiten der Teilnahme an Meinungsbildungsprozessen werden lustvoll und selbstverliebt genutzt. Die Erwartung, dass solche Meinungsbildungsprozesse ernst genommen werden und Folgen haben, setzt die etablierten politischen Strukturen unter Druck. Denn wenn die eigenen Interessen tangiert sind, wird mancher zum „Wutbürger“, der von dem normalen politischen Prozess nur gelangweilt und in den Statistiken als „politikverdrossen“ missverstanden wird. Ein wesentlicher Teil der neuen medial vermittelten Kommunikation ist niedrig-schwellig und „unpersönlich“, aber gleichwohl ein Zugewinn im Verhältnis zu den alten Medienstrukturen des Print-Zeitalters und der ersten elektrischen Jahrzehnte, in denen die wenigen Sender ihren Erfolg darin sahen, Millionen Menschen zu ihren Empfängern zu machen.

Alte Machtstrukturen der Mediokratie” werden verunsichert

Der Hinweis aus den alten Institutionen, dass die neuen Formen der partizipativen Meinungsäußerung nicht wirkmächtig werden können, wenn sie nicht auf die alten Institutionen Einfluss zu nehmen suchen, greift zu kurz: Es entsteht ein neues Selbstgefühl. Das Netz-Publikum bestätigt sich in seinem Wir-Gefühl als aktive  Gemeinschaft, selbst wenn nur eine Sammlung von Klicks „gefällt mir“ dabei herauskommt. Dieses Wir-Gefühl delegitimiert die institutionellen politischen Eliten. Wenn institutionalisierte Politik zum „Job“ wird, bei dem es weniger um Verdienste als um den Verdienst geht, wenn Gefälligkeiten, Netzwerke, Opportunismus, diplomatische Rituale und runde Tische das medialisierte öffentliche Bild der Politik prägen, dann schafft diese politische Kommunikation allerdings auch selbst die Voraussetzungen für Politik-Verdruss.

Das Kommunikationssystem Internet als Interaktionsraum mit seinen selbstverständlichen Mitsprache- und Kommentar-Möglichkeiten  (Feedback-Kultur) eröffnet neue gesellschaftliche Kommunikations- und Handlungsmuster. „Shitstorms“ und Internet-„Tsunamis“ können das Kräfteverhältnis im Hier und Jetzt verändern, in dem sie die Deutungshoheit über einen Sachverhalt bzw. ein Thema verschieben.

Die neue Medienkultur setzt ihre Themen, mit ihr entwickeln sich neue soziale Muster und Identitäten, sie eröffnet neue Kulturtechniken, neue Wirklichkeiten – und damit neue Machtzentren. Denn gesellschaftliche Wirklichkeit ist das, was in einer Kultur gemeinsam erzeugt, was gemeinsam ‚konstruiert’ wird.

Neben den tradierten Partei- und Lobby-Strukturen bilden sich „digitale“ Interessensgemeinschaften, die bestehende Machtstrukturen irritieren. Denn die Akzeptanz für die traditionellen politischen Beteiligungsformen der repräsentativen Demokratie und des Parteienstaates schwindet. Die Piratenpartei war der umgekehrte Versuch, nämlich die Impulse des Neuen in die alten Formen einer Partei zu gießen.
Versuche der alten Strukturen, sich der neuen Kommunikationsmöglichkeiten zu bemächtigen, haben bisher wenig Erfolg gehabt, jedenfalls in Europa. In den USA hat der Wahlkampf des Donald Trump 2016  vorgeführt, dass die neuen elektronischen Medien und ihre Rezeptionsgewohnheiten durchaus instrumentalisiert werden könnten für die Macht-Ambitionen eines Milliardärs in einer Weise, die in Deutschland eher an die Pegida-Bewegung erinnert.

Mit dem selbstverständlichen Anspruch nur flüchtiger User nach einer aktiven Rolle können die klassischen Institutionen nichts anfangen. Während die klassischen Leser- oder Hörer-Reaktionen von unten nach oben kanalisiert wurden, im Grunde also „Briefe an den Herausgeber“ sind, ermöglichen die neuen Medien eine horizontale Interaktivität. Und die hat offenbar eine deutlich größere Attraktivität.

Das alte Mediensystem wird umgekrempelt

Das Mediensystem der letzten 200 Jahre basierte auf einem hierarchischen Modell von Massenmedien mit festen Strukturen, in denen wenige – im Zweifelsfall kontrollierbare – „Sender“ darüber entschieden, welche Nachrichten wie veröffentlicht werden sollten. Diese Form von professionellem Journalismus garantierte Qualität für ein bildungsbürgerliches Lese-Publikum und Unterhaltung für die Masse.

Im frühen 20. Jahrhundert stützte sich die demokratische Politik auf Weltanschauungs-Parteien, musste Massen mobilisieren und Verbände hinter sich bringen, wollte sie erfolgreich sein. Schon in der Ära des Fernsehens ist diese Form der Politik abgelöst worden: Das neue Medium ermöglichte es der politischen Elite,  das Volk direkt zu erreichen, die Parteien wurden im Grunde nur als Unterstützer der Medien-Prominenten gebraucht. Repräsentanten und demokratische Repräsentationsstrukturen wurden an die Seite gedrängt, Parlamentarier standen neben der direkten Fernseh-vermittelten Kommunikation der politischen Medien-Stars. Aufmerksamkeit konnte schon unter solchen Bedingungen nur der Politiker erreichen, der auf dem Fernseh-Bildschirm präsent ist – aufgrund seiner telegenen Qualitäten oder seiner ökonomischen und politischen Macht. Im Spiegel der Medien-Öffentlichkeit sahen Politiker vor allem sich selbst und andere Politiker, die sich vor dem Spiegel bewegen. Zeitungen und Fernsehprogramme verbreiteten selektierte Konstruktionen von Öffentlichkeit. „Mediokratie” nannte das Thomas Meyer.

Das Internet bedeutet demgegenüber, so klagt zum Beispiel der Philosoph Jürgen Habermas (in seiner Bruno-Kreisky-Preisrede 2006), eine „Dezentralisierung der Zugänge“ und führt zu einer Fülle von „unredigierten Beiträgen … In diesem Medium verlieren die Beiträge von Intellektuellen die Kraft, einen Fokus zu bilden.“

Noch gibt es eine Wechselwirkung von on- und offline-Medien,  die sich gegenseitig beobachten und im Zweifelsfall verstärken können. Mit der Krise des Finanzierungsmodells von Print-Medien (Abonnements und Werbung) wird dem - erst Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen - Berufsstand des professionellen und unabhängigen Journalisten die finanzielle Basis entzogen. Diese Berufsgruppe hat in den klassischen Nationalstaats-Demokratien auf der Grundlage ethnisch homogener Gesellschaften für eine verbindende gemeinsame Medienöffentlichkeit gesorgt. Wenn die Medienlandschaft sich fragmentiert und die Nutzer in ihren jeweiligen „Teilöffentlichkeiten“ leben, fehlen Strukturen, die bisher als Bühne für den Streit um eine verbindende Deutung politischer Grundsatzfragen gedient haben.

Welche Demokratie für die digitale Gesellschaft?

Dennoch bedeutet die Netz-Partizipation an der öffentlichen Meinungsbildung einen großen Demokratisierungsschub. In den 1960er Jahren haben sich die Subjekte der Demokratie mühsam das Recht erkämpft, sich auf eigene Initiative zu artikulieren - außerhalb der Wahl-Alternativen und der Meinungs-Abfragen durch die Institutionen der Macht selbst. Als „Mob der Straße“ wurde das zunächst diffamiert, als „außerparlamentarisch“ wahrgenommen und etikettiert, d.h. außerhalb der demokratisch legitimierten politischen Meinungsbildung, die den Institutionen der repräsentativen Demokratie und den Parteien vorbehalten sein sollte. Wer „auf der Straße“ Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, musste einen großen Aufwand treiben –  den „Rasen betreten”, Autos anstecken, Scheiben einschmeißen oder Hunderttausende mobilisieren.

40 Jahre später ist die permanente APO in Form virtueller Protestgemeinschaften  eine Selbstverständlichkeit. Oft ist ihre Wirksamkeit nicht größer als die einer Rede vor dem Unterbezirksparteitag, eines kleinen Warnstreiks oder einer Demonstration in Wanne-Eickel. Manchmal sind sie aber überraschend erfolgreich. Entscheidend ist, dass bestimmte Formen der aktiven Teilnahme out sind, neue verbreiten sich und sind schon deswegen attraktiv, weil sie die neuen Medien nutzen. Die alten Medien stürzen sich auf neue Erscheinungen in den digitalen Medien und geben ihnen große Resonanz – manchmal bis in die Pressespiegel der Regierungsbürokratie oder die Talkshows, in denen sich Politiker gern selbst bespiegeln.  

Netzwerke zu bilden ist selbst schon eine Form aktiver Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs. Die Generationen, die mit den neuen Medien aufwachsen, messen die alten Medien an ihren so geformten neuen Gewohnheiten. Möglicherweise wird das klassische Programm-Fernsehen sogar schneller von den vielfältigen Angeboten des Internets „überholt“ und geschluckt als die Print-Medien.

Die Online-Kommunikation führt zur Veränderung sämtlicher Aspekte politischer Artikulation. In Zeiten des Internets ist die politische Kommunikation einer Gesellschaft nicht mehr über wenige Sender steuerbar. Blicken Politiker ins Netz, sind sie mit einer unkontrollierbaren und nicht unüberschaubaren Gemengelage von Gerüchten, Projektionen und gezielten Indiskretionen konfrontiert – etwa wie die Machthaber des 18. Jahrhunderts, einer Zeit also, in der die Instrumente der gedruckten Massenkommunikation noch nicht kanalisiert haben, was das Volk über die Politik denkt.

Keine der klassischen Institutionen der Macht hat bisher eine Idee, wie sie sich verändern muss, um den neuen Bedingungen der politischen Netz-Kommunikation entsprechen zu können. In der Internet-Community gibt es eine Idee  - „liquid democracy”, einer Annäherung der repräsentativen demokratischen Demokratie-Strukturen an die Schnelligkeit und die Mobilisierungsmöglichkeiten von Crowd-Kompetenz durch die neuen elektronischen Kommunikationsformen. Der Wahlzettel gehört zu der alten Kohlenstoff-Kultur.

Für eine neue politische Bühne

In den Jahrzehnten der „Fernsehendemokratie“, für die der Politikwissenschaftler Thomas Meyer das Verhältnis von Medien und Politik mit dem Begriff der „Mediokratie” beschreibt, hat sich die politische Bühne, auf der die Repräsentanten des demokratischen „Souveräns“ den politischen Prozess inszenieren, schrittweise immer weiter weg vom Parlament (und den klassischen Verbänden) verschoben hin zu den Medien. Mit dem Fernsehen sind die Zeitungen seit den 1960er Jahren selbstbewusster geworden in ihrer Rollenbeschreibung im Verhältnis zu der repräsentativen Volksvertretung, dem Parlament. Dass der Bundeskanzler laut über einen „fernsehfreien Tag“ nachdenkt ist heute genauso undenkbar wie die Vorstellung, die Politiker sollten eine Debatte zunächst im Parlament führen, bevor sie öffentlich dargestellt wird. Umgekehrt ist es normal.

Neue „liquide“ Entscheidungsverfahren können sich insofern nicht nur auf die repräsentativen Gremien der Demokratie beziehen, die Repräsentanten sind darauf angewiesen, dass sie sich auf der politischen Bühne öffentlich, d.h. vor dem gesamten Staatsvolk, darstellen können. Nach Lage der Dinge kann die politische Bühne im 21. Jahrhundert nur digital sein. Die fragmentarischen öffentlichen Plattformen des kommerziellen Internets reichen dafür aber nicht.

Wenn es die Zeitungen nicht mehr gibt, die den demokratischen Diskurs organisiert haben, und wenn das alte lineare Fernsehen mit seinen Talkshows nur noch vornehmlich Rentner erreicht, dann braucht die Demokratie eine neue politische Bühne. Die Institution des „Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks“ wäre dafür theoretisch eine angemessene organisatorische Form. Praktisch hat dieser bürokratische Anstalten-Verbund es aber nicht einmal geschafft, seinen Namen dem 21. Jahrhundert anzupassen, geschweige denn seine internen Strukturen und seinen Auftrag zu modernisieren. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk  lässt sich um ein paar Werbegelder willen aus der digitalen Welt weitgehend ausschließen und hat sich damit selbst die Zukunft verbaut. (L)

Es müsste also etwas ganz neues an seine Stelle treten, man müsste den öffentlichen Medienauftrag für die Demokratie ganz neu denken. Geld ist mit den 8 Milliarden Euro „Rundfunkbeitrag“ pro Jahr da.

 

 

    siehe auch die Verweise in der linken Spalte und insbesondere die Überblicks-Texte

    Das 18. Jahrhundert - Hören-Sagen-Öffentlichkeit in der frühen Neuzeit   M-G-Link

    Das 19. Jahrhundert - Neuordnung des Hintergrundwissens
             durch Volksaufklärung und Massenpresse   M-G-Link

    Das 20. Jahrhundert - Politik und Medien in der Fernsehgesellschaft   M-G-Link

    und die Texte

    Journalismus am Ende   
    MG-Link

    Leitmedium mobiles Internet   M-G-Link

    Die Idee einer „liquid democracy” als Erbe repräsentativer Demokratie   M-G-Link

    Multimedia-Computer als umfassendes Medium   M-G-Link

    Bewusst-sein    M-G-Link